Buchbesprechung: »David und Goliath – Die Kunst, Übermächtige zu bezwingen«

Malcolm Gladwell stellt die Frage nach Gewinnern und Verlierern: Ist es wirklich immer der große, mächtige der beiden Kontrahenten, der eine Auseinandersetzung gewinnt? Instinktiv glauben die meisten Menschen an die Überlegenheit von massiven, einflussreichen Organisationen. Tatsächlich bewegen jedoch oft Einzelgänger, Außenseiter, Querdenker und Revolutionäre Betriebe und Systeme. Wir leben in Zeiten, in denen Protestgruppen via Social Media ganze Regierungen ins Wanken bringen und in denen kleine innovative Einheiten traditionelle Branchen in Frage stellen können. Im Kern geht es also um Veränderung, Kreativität und Innovation. Doch auch hier fordert Gladwell – im Hauptberuf Journalist bei der „New York Times“ – unsere tradierten Auffassungen heraus. Generell herrscht das Credo, Innovation entstehe, weil jemand gelernt hat, über den Tellerrand hinaus zu denken. Das mag schon sein, sagt Gladwell, aber viele Innovatoren werden erst kreativ, weil sie sich an Widerständen abarbeiten mussten. Es gibt Persönlichkeiten, die an Rückschlägen, Ablehnung und Hindernissen wachsen und dann eine Stärke entwickeln, die ihnen hilft, die Welt zu verändern. Und wenn nicht die Welt, dann doch eine ganze Branche. Er beschreibt Legastheniker, Behinderte, Weisenkinder oder Opfer von fiesen Vorurteilen und wie sie sich mühsam zum Erfolg vor kämpfen. Zugegeben – manche Geschichten sind herzzerreißend und einige dieser Kämpfernaturen nicht gerade sympathisch. Am Ende jedoch ist die Botschaft positiv: Wer seine Nachteile in Stärken verwandeln kann und die Vorteile seiner Gegner clever auszumanövrieren versteht, hat die Nase vorn. Nicht immer gewinnt der Größte, sondern oft genug auch der, der aus leidvollen Erfahrungen lernt, sich eine dicke Haut zulegt, seine Fähigkeiten entwickelt und gleichzeitig voller Veränderungswillen steckt.

Quelle: Malcolm Gladwell, Campus Verlag.